Die Geschichte von Schloss & Park Pillnitz
August der Starke hatte das Rittergut Pillnitz Gräfin Cosel, seiner Mätresse, geschenkt und zelebrierte hier seine barocken Feste. Anlässe und Mottos fanden sich genügend: Auerhahn- und Reiherbeize, Namenstag, Geburtstag, Schützenfest, Bauernhochzeit, Wasserjagd, Weinlese und Winzerfest.
In der Anlage von Schloss & Park Pillnitz waren Spielanlagen aufgebaut, man würde heute sagen: eine Art »barockes Disneyland«. Es ging um reine Unterhaltung der Hofgesellschaft mit Verkleidungsspielen, in denen Adlige in die Rolle von Bauern oder Winzern schlüpfen konnten. Kegelspiele, Schaukeln, Wippen, Karussells, Rutschbahnen usw. waren im Park Pillnitz aufgebaut.
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Wissenswertes aus der Schlossgeschichte
Mitte des 14. Jahrhunderts (1335)
Erste Erwähnung von Pillnitz als Herrensitz von »Ludewicus de Belennewitz«
Ende des 17. Jahrhunderts
Im Tausch gegen Schloss und Amt Lichtenwalde erhält Kurfürst Johann Georg IV. 1694 das Pillnitzer Anwesen. Durch den kurz darauf folgenden Tod des Kurfürsten geht Pillnitz an dessen Bruder Friedrich August, später genannt der Starke.
Im 18. Jahrhundert
August der Starke überlässt 1706 seiner Mätresse Anna Constantia von Cosel das Anwesen, in dem sie von 1713 bis 1715 ständigen Wohnsitz nimmt. Von 1712 bis 1713 werden die Heckenquartiere (Charmillen) angelegt. 1719 ist Pillnitz einer der Festspielplätze zu den Hochzeitsfeier- lichkeiten zwischen dem Kurprinzen Friedrich August und Maria Josepha, der Tochter Kaiser Josephs I.
Von 1720 bis 1724 wird das Wasser- und Bergpalais (Matthäus Daniel Pöppelmann) sowie der Venustempels gebaut, in den nahe gelegenen Weinbergen entsteht die Schlosskirche »Zum Heiligen Geist« (Matthäus Daniel Pöppelmann, Weihe: November 1725). Ebenfalls 1725 kommt es zum Bau des Ringrenngebäudes, in dessen Innern es einen Karussell- mechanismus mit hölzernen Pferden und Wagen gab von dem aus die Damen mit Lanzen nach Ringen stachen. Die elbseitige, große Freitreppe am Wasserpalais entsteht (Zacharias Longuelune).
1738 und 1747 ist Pillnitz Feststätte für die Hochzeitsfeiern anlässlich der Vermählungen von Prinzessin Maria Amalia von Sachsen mit König Karl III. von Sizilien (1738) und von Prinzessin Maria Anna von Sachsen mit dem Kurfürsten Maximilian III. Joseph von Bayern (1747).
Ab 1788 bis 1791 werden die seitlichen Residenzflügel an Wasser- und Bergpalais erbaut (Christian Traugott Weinlig) und der Chinesische Garten angelegt. 1804 entsteht der Chinesische Pavillon (Pavillon von Christian Friedrich Schuricht).
Im 19. Jahrhundert
Altes Schloss und Venustempel fallen am 1. Mai 1818 einem Brand vollständig zum Opfer. Von 1818 bis 1830 werden das Neue Palais mit Küchen- und Kapellenflügel erbaut. 1859 beginnt die zweijährige Bauzeit des Palmenhauses, zur damaligen Zeit das größte gusseiserne Gewächshaus Deutschlands. Es folgt der Bau der Wächterhäuser am Aha-Graben (1864), die Anlage des Fliederhofes (1866) und des Koniferenhains (1874) sowie der Erweiterungsbau des Ringrenngebäudes zur Orangerie (1879 bis 1880).
Im 20. Jahrhundert
Ab 1946 wird die Schlossanlage zu musealen Zwecke genutzt (1946 bis 1956: Zentralmuseum in Sachsen mit Beständen der Dresdner Gemälde- galerie; 1963: Umzug des Kunstgewerbemuseums nach Pillnitz).
Die Weinbergkirche wird Anfang der 1990er Jahre restauriert. Bis 1994 werden die Flügelbauten am Wasserpalais sowie des Küchen- und Kapellenflügels des Neuen Palais äußerlich instand gesetzt und das Palmenhaus verglast. Der Chinesische und Englische Pavillon, das Bergpalais einschließlich der Flügelbauten, die »Alte Wache« und das Fasanenhaus werden restauriert. 1992 beginnt der 4-jährige Bau des auf Schienen gelagerten Kamelienhauses.
1993 konstituiert sich der Schlossbetrieb Staatliche Schlösser und Gärten Dresden als Teil der Sächsischen Schlösserverwaltung.
Im 21. Jahrhundert
Das Wasserpalais wird bis 2002 restauriert und Schloss & Park Pillnitz erstrahlt im alten Glanz. Im August des gleichen Jahres richtet das Jahrhunderthochwasser der Elbe erhebliche Schäden an. Am 22. Juni 2006 eröffnete das Schlossmuseum im Neuen Palais. Damit verfügt Pillnitz erstmals über ein Museum, welches dem Besucher die Geschichte der Schlossanlage und das höfische Leben seiner Bewohner, die Mode der Chinoiserie, die Fest- und Spielkultur des Barocks, aber auch das religiöse Leben im Schloss lebendig und zeitgemäß nahe bringt. Das Museum umfasst auch die 2003 rekonstruierte Königliche Hofküche, die Katholische Kapelle und den Kuppelsaal. 2009 wurde das Palmenhaus wiederöffnet und präsentiert nun Pflanzen aus Südafrika und Australien.




